- Die Tarifvergütung der Uniklinika Baden-Württemberg gehört nachweislich bereits heute zu einer der höchsten im Gesundheitswesen. In den vergangenen Jahren gab es deutliche Tarifsteigerungen.
- Gleichzeitig stehen die Klinika – zusätzlich auch vor dem Hintergrund der gesundheitspolitischen Reformankündigungen – wirtschaftlich massiv unter Druck.
- Kündigung des Tarifvertrages Rationalisierungsschutz ist auch eine notwendige Reaktion auf die Streikaktionen, da ver.di offensichtlich die fundamental veränderte gesundheitspolitische und wirtschaftliche Lage ignoriert.
Der Arbeitgeberverband der Universitätsklinika Baden-Württemberg (AGU e.V.) reagiert mit Sorge auf die angekündigten Warnstreiks im Rahmen der laufenden Entgelttarifverhandlungen 2026. Die Arbeitgeberseite verweist auf die außerordentlich schwierige wirtschaftliche
Lage der vier Uniklinika sowie auf die erheblichen zusätzlichen Belastungen durch die aktuellen Reformen im Gesundheitswesen.
Hohe Verluste durch fundamental wirtschaftliche und gesundheitspolitische Ver- änderungen
Bereits heute rechnen die Uniklinika Baden-Württemberg für das Jahr 2026 mit einem Gesamtverlust von rund 99 Millionen Euro. Hinzu kommen erwartete Erlösausfälle von mehr als 100 Millionen Euro infolge der geplanten und teilweise bereits verabschiedeten Krankenhausreformen.
„Die wirtschaftliche Situation der Universitätsklinika ist sehr ernst. Gleichzeitig stehen wir mit der Gewerkschaft in einer gemeinsamen Verantwortung für weiterhin gute, sichere Arbeitsbedingungen, eine verlässliche und fortdauernd exzellente Patientenversorgung sowie die langfristige Zukunftsfähigkeit der Standorte“, erklärt Prof. Dr. Udo X. Kaisers, Vorstandsmitglied des Arbeitgeberverbandes der Universitätsklinika Baden-Württemberg.
Trotz der aktuell nur schwer kalkulierbaren Auswirkungen der Gesundheitsreformen haben die Arbeitgeber ver.di zugesagt, im Rahmen der nächsten Verhandlungsrunde am 17. Juni 2026 ein konkretes Angebot vorzulegen. Die Arbeitgeber zeigen sich daher enttäuscht, dass ver.di ungeachtet der dargestellten wirtschaftlichen Lage und trotz der Zusage eines Angebots bereits jetzt zu Warnstreiks aufruft.
„Jede weitere Form von Arbeitskampfmaßnahmen belastet die wirtschaftliche Situation der Uniklinika zusätzlich und verringert den finanziellen Spielraum in den weiteren Verhandlungen unnötig“, sagt Dr. Daniela Harsch, Vorstandsmitglied des AGU. „Gerade in der aktuellen Situation brauchen wir Augenmaß und gemeinsame Verantwortung.“
Kündigung des Tarifvertrags Rationalisierungsschutz
Vor dem Hintergrund der erheblich veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der zu erwartenden strukturellen Auswirkungen der Gesundheitsreform sehen sich die Uniklinika Baden-Württemberg gezwungen, den Tarifvertrag (TV) Rationalisierungsschutz zu kündigen.
Die bisherigen tariflichen Regelungen stammen aus einer Zeit deutlich anderer wirtschaftlicher Voraussetzungen. „Angesichts der aktuellen Entwicklungen müssen die Uniklinika ihre Handlungsfähigkeit erhalten, um auch künftig eine leistungsfähige Patientenversorgung, Forschung und Lehre sicherstellen zu können“, erklärt Prof. Dr. Udo X. Kaisers die Hintergründe der Kündigung des TV Rationalisierungsschutz.
Kontinuierlich tarifliche Verbesserungen in den letzten Jahren
Die Arbeitgeber betonen zugleich, dass die Beschäftigten der Uniklinika Baden-Württemberg bereits heute zu den bestvergüteten Mitarbeitenden im deutschen Gesundheitswesen gehören. In den vergangenen Jahren seien erhebliche tarifliche Verbesserungen vereinbart worden. Die Entwicklung der tariflichen Entgelte und weitere Hintergrundinformationen haben die Uniklinika Baden-Württemberg bereits vor Beginn der Tarifrunde in einem Informationsvideo dargestellt.
Die Arbeitgeberseite appelliert erneut an die Tarifkommission von ver.di, die tiefgreifenden Veränderungen durch die angekündigten Gesundheitsreformen und deren mögliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche Stabilität der Universitätsklinika in den weiteren Gesprächen angemessen zu berücksichtigen.
„Unser gemeinsames Ziel muss es sein, tragfähige Lösungen zu finden, die sowohl den Interessen der Beschäftigten als auch der langfristigen Sicherung leistungsfähiger Universitätsklinika gerecht werden“, betont Dr. Daniela Harsch.
Die nächste Verhandlungsrunde zwischen AGU und ver.di findet am 17. Juni 2026 statt.
Der Arbeitgeberverband der Universitätsklinika
Die Universitätsklinika Baden-Württemberg haben 2015 den Arbeitgeberverband der Universitätsklinika e.V. (AGU) gegründet. Dieser vertritt die gemeinsamen tarifpolitischen Interessen der Universitätsklinika BW gegenüber den Gewerkschaften sowie gegenüber sonstigen Institutionen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner für die Gewerkschaften im Hinblick auf gemeinsame tarifpolitische Themen. Sitz des Verbandes ist Tübingen.
Als Geschäftsführer sind Heinz Falszewski und Christian Anton bestellt. Den Vorstand bilden Dr. Daniela Harsch, Kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums Tübingen, und Professor Dr. Udo X. Kaisers, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Ulm.
Mehr Informationen unter www.agu-uniklinika.de.
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