Tarifabschluss muss dauerhaft finanzierbar bleiben
Zweite Entgelttarifverhandlung in sachlicher Atmosphäre – Arbeitgeberverband verweist auf strukturelle Finanzierungslücke und angespannte wirtschaftliche Lage der Universitätsklinika
Am Mittwoch, 17. Juni 2026 fand die zweite Entgelttarifverhandlung zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft verdi und dem Arbeitgeberverband der baden-württembergischen Universitätsklinika e.V. statt. Trotz der weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verlief die Verhandlung in sachlicher und konstruktiver Atmosphäre. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 8. Juli 2026 terminiert.
Der Arbeitgeberverband hat in der zweiten Verhandlungsrunde ein Angebot vorgelegt. Dieses berücksichtigt sowohl die angespannte wirtschaftliche Lage der Universitätsklinika als auch die finanziellen Herausforderungen infolge der aktuellen Bundesgesetzgebung und der gedeckelten Krankenhausfinanzierung.
Das Arbeitgeberangebot im Detail:
Einmalzahlung:
- Einmalzahlung in Höhe von 400 EUR (ohne Auszubildende, Teilzeit anteilig) im Monat nach Vertragsunterzeichnung
Lineare Steigerung:
- 1. Januar 2027 um 2,5 Prozent
- 1. Dezember 2027 um 1,25 Prozent
- 1. Dezember 2028 um 1 Prozent
Auszubildende:
- Einmalzahlung in Höhe von 400 EUR (siehe oben) sowie eine weitere Einmalzahlung im Juni und Oktober 2027 über jeweils 300 EUR
- Lineare Steigerung
- 1. Dezember 2027 um 3 Prozent
- 1. Dezember 2028 um 1 Prozent
Laufzeit: 1. Mai 2026 bis 31. Dezember 2028
Anpassung Jahressonderzahlung:
- Erhöhung der Jahressonderzahlung von 88 % auf 95 %
- Vereinbarung eines fixen Anteils in Höhe von 88 %-Punkten und eines variablen Anteils in Höhe von 7 %-Punkten
- Die Regelung soll ab 2027 oder 2028 eingeführt werden.
Anders als Unternehmen der Privatwirtschaft können Krankenhäuser steigende Kosten nicht über höhere Preise refinanzieren. Ihre Finanzierung hängt wesentlich von gesetzlich regulierten Budgets und Zuweisungen der Krankenkassen ab. Diese Rahmenbedingungen haben sich seit 2026 zu Ungunsten der Kliniken verändert. Bereits in der Pressemitteilung vom 11. Juni hatte der Arbeitgeberverband die daraus entstehende Finanzierungslücke auf rund 100 Millionen Euro beziffert. Hinzu kommen für die vier Universitätsklinika prognostizierte negative Jahresergebnisse in Summe von rund 99 Millionen Euro.
Zusätzlich wirken die Kostensteigerungen aus vergangenen Tarifabschlüssen fort. Die letzte Tarifsteigerung an den Universitätsklinika zum 1. Oktober 2025 in Höhe von 3,7 Prozent erhöht die Personalkosten im Jahr 2026 um weitere 2,8 Prozent. Dies entspricht einer zusätzlichen Belastung von rund 52,8 Millionen Euro.
„Wer dauerhaft oberhalb der refinanzierten Entwicklung abschließt, muss auch sagen, wie diese Mehrkosten finanziert werden sollen, wenn die Einnahmen nicht beliebig gesteigert werden können. Dadurch entstehen Belastungen, die nicht folgenlos bleiben können“, konstatiert Dr. Daniela Harsch, Vorstand des Arbeitgeberverbandes, „vor diesem Hintergrund geht es in der aktuellen Tarifrunde nicht um fehlende Wertschätzung gegenüber den Beschäftigten, sondern um die Frage, welche Lösungen unter den geltenden gesetzlichen und finanziellen Rahmenbedingungen dauerhaft tragfähig sind.“
Der Arbeitgeberverband der Universitätsklinika
Die Universitätsklinika Baden-Württemberg haben 2015 den Arbeitgeberverband der Universitätsklinika e.V. (AGU) gegründet. Dieser vertritt die gemeinsamen tarifpolitischen Interessen der Universitätsklinika BW gegenüber den Gewerkschaften sowie gegenüber sonstigen Institutionen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner für die Gewerkschaften im Hinblick auf gemeinsame tarifpolitische Themen. Sitz des Verbandes ist Tübingen.
Als Geschäftsführer sind Heinz Falszewski und Christian Anton bestellt. Den Vorstand bilden Dr. Daniela Harsch, Kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums Tübingen, und Professor Dr. Udo X. Kaisers, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Ulm.
Mehr Informationen unter www.agu-uniklinika.de.
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